Harte Striche, klare Formen

Zur Ausstellung in der Galerie Netuschil Juli 2015
Von Roland Held, Darmstädter Echo vom 21.7.2015

(…) Ohne Zweifel: „Stahlgewitter“ wäre das passende Motto für diese Radierungen, würde der Betrachter dabei nicht automatisch an Ernst Jüngers Schilderung seiner Erste-Weltkriegs-Erlebnisse denken. Zwar mögen die Grafiken – wie üblich – von großen Kupferplatten gezogen sein, doch was Alfonso Mannella hier mit Kalter Nadel und Schleifhexe an Spuren in die Platten gesenkt hat, ersteht auf dem Büttenpapier wieder als kraftvoll vibrierende, sich streckende und krümmende, sprühende, splitternde, berstende Strukturen von stählern anmutendem Hall.

(…) Der Architektur – von komplexen Gerüstkonstruktionen über fertige Bürotürme bis zu Verkehrsanlagen, Brücken, Häfen – gilt Mannellas Augenmerk. Mit anderen Worten: Stahl, Stahl und nochmals Stahl. „London Staccato“, „New York Ground Zero“, „Chicago Sunrise“, „Baustelle EZB Frankfurt“ lauten einige Titel. Heißt das, dass hier ein Künstler sich mehr als reisender Dokumentator versteht? Mitnichten. Dazu legt Mannella zu wenig Wert auf lokale Wiedererkennbarkeit. Wenn er etwas dokumentiert, dann ist es ein metropolenüber-greifendes Lebensgefühl, einen rastlos treibenden Rhythmus, eine Tag und Nacht nivellierende Bewegung, in welcher der Mensch, nie direkt abgebildet, doch omnipräsent ist.

Es wechselt lediglich der Abstraktionsgrad. Spannungsvoll, doch kompositorisch stabil ist das In- und Gegeneinander skeletthafter, vielstöckig-vertikaler Gebäude und steiler Diagonalzüge wie von Kränen. Anderswo sind die Linien nicht mehr durchgezogen, sondern zerreißen zum informellen Regen von Flecken und Funken.

(…) Wie Linien, Kurven und Gitter zu blockhafter-düsterer Dichte verschmelzen, wirkt auf den Betrachter so klaustrophobisch, dass ein Vergleich mit den „Carceri“ des Giovanni Battista Piranesi (1720–1778) nicht zu weit beigeholt ist.

Wenn Alfonso Mannellas Städtebilder quasi der Modern Jazz der Ausstellung sind, dann trägt der Bildhauer Friedemann Grieshaber in diesem Doppel die Minimal Music bei. Fast baukastenartig nämlich wiederholen und variieren seine Betongüsse, von denen keiner höher als 50 Zentimeter ist, die gestalterische Grundidee…

„Es ist immer wieder erstaunlich, welch unterschiedliche Temperamente im Werk Alfonso Mannellas zum Ausdruck kommen. Hier die malerischen Ansichten von New York, London oder das Mainufer in Frankfurt, dort die venezianischen, flirrend leichten Aquarelle, und schließlich die düster-dichten Blätter seines druckgraphischen Schaffens. (…) Dabei deutet sich in den atelierfrischen Ansichten von London oder Frankfurt wie in „Stadt am Fluss“ womöglich ein Perspektivwechsel an. Als sei Mannella einen Schritt zurückgetreten, werden die Kompositionen zunehmend luftiger und scheinen bei aller spürbaren Energie von einer fast heiter zu nennenden Gelassenheit getragen…“

Christioph Schütte, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. Juli 2015 zur Ausstellung „Inspiration Großstadt“in der Galerie Netuschil, Darmstadt

„(…)Mannellas Stadträume vermitteln abstrakt dargestellte Urbanität, lassen ein Stadtgeflüster in Häuserfluchten und auf Plätzen spüren, ersparen dem Betrachter den Menschen und zeigen doch das Ergebnis seiner Leistungen. (…) Das Abstrakte ist noch lange nicht ausgereizt und abgeschöpft, und seine Kaltnadelradierung ist quicklebendig. (…)

Mainzer Allgemeine Zeitung, 9.1.2015

London City-Spots 2014

im Doppeldeckerbus durch London
sitze ganz vorne
ein paar Stifte griffbereit
vor allem Schwarz
schnell dem Liniengewitter folgen

Formen, Farben notieren bevor die Ampel grün wird
Sehen, Erleben, Nachvollziehen
mich überfordern
Geschwindigkeit und Energie
spüren und umwandeln
sichtbar machen
alles gleichzeitig

London City-Spot I,  Öl auf Leinwand, 18x24cm 2015  (Malerei auf einer im Londoner Doppeldeckerbus entstandene Zeichnung auf Leinwand)

London City-Spot I
Öl / Graphit auf Leinwand, 18 x 24
2014

London City-Spot II

London City-Spot II
Öl / Graphit auf Leinwand, 18 x 24
2014

London_City-Spot III

London City-Spot III
Öl / Graphit auf Leinwand, 18 x 24
2014

 

Ausstellung in der Galerie Netuschil

23. November 2014 – 17. Januar 2015

Eröffnung: Sonntag, 23.November 2014, 11Uhr

Monumental im Kleinen
Zeitgenössische Kleinplastik

Dichter Bildraum konzentriert
Kleine malerische Originale

Galerie Netuschil | Schleiermacherstr. 8 | 64283 Darmstadt | Tel. 06151/24939 | info(at)galerie-netuschil.net

Kaltnadel auf Fotografie

Alte-Markthalle-Frankfurt

Alte Markthalle, EZB-Frankfurt
Kaltnadel auf Fotografie
10,5x45cm
2014

Loop_EZB

Loop, EZB-Frankfurt
Kaltnadel auf Fotografie
10,5x45cm
2014

Frankfurt-Osthafen

Osthafenbrücke Frankfurt
Kaltnadel auf Fotografie
10,5x45cm
2014

Chicago2015

Chicago-Blues
Kaltnadel auf Fotografie
10,5x45cm
2014

London1-Fotografik_Web

London I
Kaltnadel auf Fotografie
10,5x45cm
2010

Rotterdam-Staccato

Chicago-Sunrise I
Kaltnadel auf Fotografie
10,5x45cm
2012

Erasmusbruecke

Erasmusbrücke I
Kaltnadel auf Fotografie
10,5x45cm
2012

Urban Sound – Poesie der Großstadt

NY_BAUSTELLE-I_WEB

New York Construction Side I
Öl auf Leinwand
120 x 160 cm
2017

London2016_web

London III
Öl auf Leinwand
160 x 130 cm
2016

London II

London II
Öl auf Leinwand
160 x 130 cm
2014

Frankfurt-Mainufer-I

Frankfurt Mainufer I
Öl auf Leinwand
160 x 130 cm
2014

NY-Ground-Zero-I

New York, Ground Zero I
Öl auf Leinwand
120 x 150 cm
2013

NY-Avenue II

NY-Avenue II
Öl auf Leinwand
120 x 150 cm
2010

Amy_Web

Frau mit rotem Kleid (Amy)
Öl auf Leinwand
120 x 150 cm
2012

Chicago-Reflection_web

Chicago Reflection
Öl auf Leinwand
120 x 150 cm
2012

London-2010

London
Öl auf Leinwand
120 x 150 cm
2010

New-York-Ave

NY-Avenue
Öl auf Leinwand
120 x 150 cm
2009

New-York-Guggenheim II, 2010

NY-Guggenheim II
Öl auf Leinwand
120 x 150 cm
2010

NY-Guggenheim-I_2009web

NY-Guggenheim I
Öl auf Leinwand
120 x 150 cm
2009